•27/01/2010 • Schreibe einen Kommentar

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vis à vis

•26/01/2010 • Schreibe einen Kommentar

Die Gejagte

DREAM

•26/01/2010 • Schreibe einen Kommentar

Nobody is Perfect

•24/01/2010 • 1 Kommentar

Reportage Johanna Grübler, MM19

NoBODY is perfect

Schönheit gibt’s nicht nur vom Chirurgen

Der Kunde ist König. So sollte es
zumindest sein. Doch in der Praxis sieht
das oft anders aus.
Wie weit gehen Beauty Kliniken damit
der Umsatz stimmt?
Reporterin Johanna Grübler, 22, hat den
Test gemacht und zwei Götter in weiß
mit erfundenen Problemzonen auf die
Probe gestellt.

Die schwere Holztür fällt ins Schloss. Im
Arm halte ich eine Mappe mit
Informationen über eine Ohrenkorrektur,
inklusive Kostenvoranschlag von 2000€.
Viel Geld zur Behebung eines Problems,
dass es gar nicht gibt.

Zwei Tage vorher. Auf den Anruf in einer
Hamburger Praxisklinik für plastische
Chirurgie bekomme ich einen kostenlosen
Beratungstermin. Es ist ein Test, wie
schnell ich als vermeintlicher Interessent
zum Patienten erklärt werde.
Meine Ohren habe ich für dieses
Beratungsgespräch zur Problemstelle
ernannt. Eigentlich bin ich mit ihnen ganz
zufrieden.
Wird die subjektive Meinung des Arztes
zugunsten des Profits gefällt?

Mittwoch 09:15. Das wohnliche
Wartezimmer ist noch fast leer. Mir
gegenüber sitzt ein junger Mann. Er reibt
sich nervös die Hände an seiner Hose. Bald
darauf wird er aufgerufen und verschwindet
in einem der vier Behandlungsräume. Die
blondgefärbte Arzthelferin kommt zurück
und bittet auch mich in ein
Behandlungszimmer. Auch dort herrscht
eine gemütliche Atmosphäre, kein steriler
Geruch.

Brustimplantate aus der Tupperdose

Ein mittelgroßer ergrauter Arzt stellt sich
mit Herr Dr. Meyer vor. Er nimmt hinter
seinem robusten Schreibtisch platz und
mustert aufmerksam mein Gesicht. Seine
Augen wandern von einem Ohr zum
anderen, er neigt den Kopf. Sein
Gesichtsausdruck wirkt unschlüssig. Er
scheint nach einer Meinung zu suchen, nach
einem Makel. Mein Blick fällt auf ein
rustikales Regal. In einer offenen
Tupperdose liegen Brustimplantate, wie
Pausenbrote aufeinander gestapelt.
Der Vorrat für die Schönheitswütigen.

Deutschlandweit sind es jährlich über eine
Million Menschen die sich für die innere
Zufriedenheit oder den beruflichen Erfolg
unters Messer legen. Jeder zweite „Patient“
ist inzwischen ein Mann. Die Zahlen haben
sich in den letzten Jahren verdreifacht,
Tendenz steigend. Die
Verdienstmöglichkeiten sind äußerst
lukrativ und so erlernen
Allgemeinmediziner in Wochendkursen das
Botoxspritzen. Sorgenflaten machen sich
durch diesen Trend wenige.. Dr. Dorothee
Bergfeld ist Medizinerin und gründete den
Botox Tüv für Ärzte, um die ärztliche
Qualität zu sichern. Sie empfiehlt „ Die
Finger von Schönheitsoperationen zu
lassen“

Zurück zum Beratungsgespräch.
„Ihre Ohren haben eine schöne Form. Ich
bin froh so ein Ergebnis bei einer Operation
zu erzielen“, sagt der Mittfünfziger
zunächst. Dann entdeckt er aber doch noch
was. „Das rechte Ohr liegt minimal mehr an
als das Linke“, erwidert er nach kurzer
Überlegung.
Ein Minimum, aus dem ein maximaler
Profit geschlagen werden soll?
Angelika, die schlanke Arzthelferin, reicht
mir, auf ein Zeichen des Arztes, einen
Handspiegel. Für mich bleibt das Problem
unsichtbar.
Der Chirurg ist nun in seinem Element. Er
kommt mit seinem Schreibtischstuhl
herüber gerollert und weist mich auf einen
weiteren Schönheitsfehler hin: der Knorpel
am Innenohr, das so genannte Ohrgerüst,
das für meine Ohrstellung zu weit vorstehe.
Um Punkt 9:35 wird mein Ohr, zur
Geldquelle erklärt.

Der Körper sei eine Art Bioaktie geworden,
deren Wert nicht nur gehalten sondern
möglichst gesteigert werden soll, habe ich
mal gelesen. Jetzt sehe ich mich auch als
Aktie und mein gegenüber als Aktionär.

„Jeder hat das Recht sich zu verändern“

Auf einer Kindergesicht – Vorlage mit 45°
abstehenden Ohren hält Herr Dr. Meyer,
dass von ihm aufgedeckte Problem,
zeichnerisch fest. „Wir entnehmen ein
sichelförmiges Stück aus dem Hinterohr um
es anzulegen. Das abstehende Ohrgerüst
wird abgeschliffen.„

Tatsächlich steht vollkommene Perfektion
über der individuellen ästhetischen
Wahrnehmung. Entgegen der Philosophie
mit der die Praxisklinik auf ihrer Homepage
wirbt. „Das Gesicht verrät die Stimmung
des Herzens.“
„Jeder hat das Recht sich zu verändern“
meint dagegen Professor Gilman Sander,
Experte in Sachen Körperkult. Er hat
mehrere Bücher zur Geschichte der
Schönheitsoperationen, und über Botox
veröffentlicht.

„ Die beste Lösung ist Botox“

Das lähmende Nervengift wurde auch mir
bei einem weiteren Beratungsgespräch
empfohlen.

300€ für eine Spritze Botox gegen
Augenfalten, die ich gar nicht habe. Herr
Dr. Kluve, leitender Arzt einer exklusiven
20 Bett Hamburger Schönheitsklinik,
empfand meine Augenpartie als
behandlungswürdig. „Sie können jetzt eine
Sitzung machen, und in einem Jahr die
nächste, das können sie ganz spontan
entscheiden“
Der im Gesicht junggebliebene Arzt
würdigt meine Augen keines Blickes und
fährt eilig mit dem Schreibtischstuhl herum
und nimmt aus einem schlichten Ikea Regal
hinter sich
eingeschweißte Fotos mit den Worten: „Die
beste Lösung ist Botox“.
Botox, der „Snack“ für zwischendurch.
Mein Blick fällt auf Vorher – Nachher –
Fotos einer Endvierzigerin mit
alterstypischen Augenfalten.
Auch in diesem Fall unterliegt die
fachgerechte Einschätzung der Situation
dem Profitgedanken.

Denn Schönheitsoperationen sind gefragt
wie nie, und teuer. Ein Eingriff entspricht
nicht selten dem Wert eines Kleinwagens.
Vielleicht, doch besser zum Auto greifen
anstatt sich fürs Skalpell zu entscheiden.
Denn, der fahrbare Untersatz fährt
garantiert zum Ziel.

INFOKASTEN

Mit Nasenoperationen
begann im 19. Jahrhundert
die Geschichte der
kosmetischen Chirurgie.

Schönheitsoperationen
setzen allein in Deutschland
jährlich Millarden um.

Zum Botox Spritzen geht
man zwischendurch:
Mittagspause oder
Botoxpartys.

Die gesamten Kosten für
eine Schönheits – Op trägt
der Patient.